Geleitwort Justizia

Hier stehe ich.

 Mit verbundenen Augen, mit dem Richtschwert in der einen und der Waage in der anderen Hand. Ich stehe dort, wo Recht gesprochen wird, wo ungerechte Sünder ihrer Strafe zugeführt werden und unschuldig Verurteilten Gerechtigkeit widerfahren soll.

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Justitia nemini neganda - Gerechtigkeit darf niemandem verweigert werden.

 Doch ich, Justitia, Ikone der Gerechtigkeit, Sinnbild göttlicher Ordnung und Tugend, bin schuldig geworden. Schuldig an ungezählten Opfern - an Frauen, Männern und Kindern -, weil ihnen keine Gerechtigkeit widerfahren ist.

Landauf, landab, zu allen Zeiten. In vielen Orten. Auch Bamberg war einst solch ein Ort.

 Auf der Karte selig schlummernd im Herzen des Frankenlandes; in Wirklichkeit ein unheiliger und unheilvoller Ort, aus dem der letzte Gott schon lange ausgezogen war. Nur ich war geblieben. Ich wollte den Menschen im Angesicht der Wahrheit beistehen, wenn sie vor ihren Richter traten. 

Doch sie alle wurden zu Tätern gestempelt ohne Tat. Wurden verurteilt im Namen einer Gerechtigkeit, die nicht die meine war, gedemütigt, gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Waren Blut und Terror des großen Krieges nicht genug? Mit seinem Morden, Plündern, Brandschatzen und Marodieren soldatischer Truppen, dem Hunger und Elend unter den Leuten, dem Jammern und Sterben?

Ich habe blind darauf vertraut, dass Richter über die Schuldigen gerecht urteilen. Ich habe blind darauf vertraut, dass die Ideen der Theologen, ihre Vorstellungen von Recht und Moral, die gleichen sind wie Gottes Wort. Dieses Wort ist verraten worden.

Denn trug ich nicht einst den Zweig eines Ölbaums um des Friedens willen anstatt mit dem Schwerte blutig zu richten? 
Wer also gab mir ein Schwert? Vielleicht die gleichen Männer, die schanzend hinter meinem Namen viele unschuldig Verurteilte ihrer Strafe zuführten.

Ja, ich bin schuldig geworden.

Eines Tages, ich weiß, da wird man mich selbst zur Anklage führen. Noch in Jahrhunderten wird man fragen, wie ich das Unheil zulassen konnte. Und ich werde keine Antwort haben außer der Hoffnung, dass am Ende aller Bemühungen um Gerechtigkeit die Versöhnung zwischen Tätern und Opfern, zwischen Unschuldigen und ihren Richtern steht.


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