Scharfrichter

Allein beim Wort Scharfrichter oder Henker befällt noch heute viele Menschen ein mulmiges Gefühl. Wir verbinden damit den gnaden-losen Vollstrecker, von dessen Richtblock es kein Zurück gibt. Dabei war aber auch dieses Berufsbild durchaus einem Wandel unterzogen … 

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Scharfrichter zu sein, verlangte Kraft und Mut, aber auch Unerbittlichkeit und eine gewisse Rohheit. Wir mögen den Vollstreckern aus heutiger Sicht Gewissenlosigkeit unterstellen, aber damals herrschte eine andere Vorstellung von Ehre und Gewissen. Während der gebildete Klerus und die Stadtoberen sich der Brutalität der Tatensicherlich bewusst waren, wurde den Handlangern der Inquisition weisgemacht, sie handelten in gottgewollter Manier; so war denn neben der erklecklichen Bezahlung der in Aussicht gestellte Sündenerlass die größte Entlohnung.

Nachrichter  
Noch bis ins Mittelalter waren Henkersleute nicht immer freiwillig mit ihrem Beruf verbunden, sondern wurden einfach dazu ernannt, wenn sich niemand fand. Ab dem 13. Jahrhundert wuchs das Selbstverständnis der Scharfrichter und es bildeten sich sogar eigene Henkerszünfte.

  

 Viele Scharfrichter hielten sich auch angestellte Helfer, denen aber nur einfachere oder die unliebsamen Aufgaben, wie z. B. das Herabholen verfaulter Gerippe vom Rad, übertragen wurden. Folterungen und Tötungen übernahm der Scharfrichter persönlich. Sein Amt füllte er gewissenhaft, präzise und geradezu kunstfertig aus.

 Das Führen des Schwertes und Setzen des rechten Hiebes bei einer Hinrichtung war kein einfacher Akt und zudem mit hoher Erwartungshaltung der Zuschauer verbunden. Auch Folterungen waren für den Scharfrichter heikel und forderten anatomische Kenntnisse und viel Erfahrung, denn er musste - nicht selten bei Strafe - darauf achten, dass es hierbei nicht zu direkten Todesfolgen kam. Dennoch mangelte es dem Berufsstand sehr an Ansehen. Meist wohnten diese Leute am Rande der Stadt und mieden das öffentliche Leben, wie man auch sie mied, denn sie galten als unrein. Nicht überall konnte oder wollte man sich einen „eigenen“ Scharfrichter leisten.

Oft war es so, dass Scharfrichter speziell angeheuert wurden und dann weit übers Land fuhren, um die Taten zu vollstrecken. 


Scharfrichter verlangt Lohnjusticia wwwmuseum Richtschwerter Zeichnung

Hauptwerkzeug des Scharfrichters war sein Richtschwert. Es maß deutlich mehr als einen Meter und hatte eine zweischneidige Klinge, die an der Spitze abgerundet war. Richtschwerter waren meist mit Inschriften oder Gravuren verziert, z. B. mit Heiligen oder mit Symbolen des Todes und der Hinrichtung. In der Regel vertraute der Vollstrecker seinen eigenen Folterinstrumenten, sofern sie sich einigermaßen bequem transportieren ließen. Vielfach waren Scharfrichter auch für die Genesung der Gequälten zuständig und führten dementsprechend medizinische Instrumente, Salben und Tinkturen mit sich.


Folterkammer mit Bock und Leiter

 Scharfrichter Duerer

 

Richtschwerter galten als „unehrlich“ und durften in einem normalen Kampf nicht eingesetzt werden. Sie waren meistens mit einem Sinnspruch und/oder einer Bildgravur geschmückt und wurden teilweise innerhalb der Familie weiter vererbt. Wenn es keine Nachfolger gab wurde das Richtschwert eines Henkers oftmals nach seinem Tode vergraben.

Die Henker wurden auch Nachrichter genannt und übernahmen neben den Hinrichtungen und den Folterungen auch das Abdecken verendeter Tiere. Durch diese Tätigkeiten erwarben sich diese Menschen ein gutes Verständnis der Anatomie und waren deshalb manchmal sogar Helfer bei Krankheiten.


Entlohnung der Scharfrichter

 

Preisliste aus dem Erzbistum Köln aus dem Jahr 1757. Die Gebühren sind in Reichstalern und Albus - 
einer niederrheinischen Münzeinheit berechnet. Ein Reichstaler wog exakt eine Unze und war aus reinem Silber. Der Wert eines Albus entsprach dem 87stem Teil eines Reichstalers.

Preisliste Henker

 

 

Im angelsächsischen Raum wurde das Richtschwert oftmals durch das Fallbeil ersetzt. 

Fallbeil mit Henkersmaske 

 

Leibstrafen-Rad-Museum

 

Historische Fotografie von mittelalterlichen Folterinstrumenten.


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