Die Kirche und der Teufel

Die Kirche der Frühzeit und des Mittelalters sah in Magie und Hexerei zunächst nichts Bedrohliches - weder für das Seelenheil des Einzelnen noch für die Kirche selbst. Magie ist sogar entwicklungs-geschichtlicher Bestandteil von Religionen und begegnet uns in der katholischen Kirche als magisches Relikt und zugleich unerklärliches Element heute noch in Form von Wundern. 

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Dennoch stand die niedere Magie sowohl in Konkurrenz zur hohen Magie als auch zur Religionsausübung. Lag das Schicksal einer Gemeinschaft nach allgemeiner religiöser Übereinkunft in Gottes Händen, so maßen sich Hexen an, das Schicksal durch eigene, bewusste Taten selbst zu bestimmen und dadurch gewissermaßen in den göttlichen Regelkreislauf einzugreifen. 

Die vermeintliche Manipulation der göttlichen Ordnung jedoch lag jenseits jeder zugesprochenen spirituellen Freiheit und wurde alsbald zu einer Gefahr für das christliche Weltbild stilisiert. So wurde Magie im Laufe der Zeit schließlich regelrecht kriminalisiert. Papst Innozenz IV. verschärfte mit seiner Bulle Ad extirpanda aus dem Jahre 1252 die Gangart. Er war derjenige, der darin die Folter als Maßnahme im Kampf gegen Ketzer explizit empfahl. Bald sollten davon auch die Hexen am eigenen Leib erfahren. Prägend im Umgang mit Hexen war auch das Basler Konzil (1431-1437), das bedeutenden und einflussreichen Gelehrten und Theologen die Möglichkeit gab, Wissen und Überzeugungen zu multiplizieren. Es waren in der Folge vor allem die Predigten in den Kirchen, die dazu führten, dass sich die Lehre von den bösen Hexen nun auch bei den einfacheren Leuten durchsetzen konnte.
 Der Teufel tauscht BuecherHexenkreisAberglaubenErwachsenen taufe Der Teufel beschlaeft seine Buhlin Teufel laesst auf das Kreuz tretenEine wesentliche Rolle für das Verständnis der Hexen-
verfolgungen spielt die strenge Sexualmoral der Kirche. In Bußkatalogen des Mittelalters zum Beispiel sind ungleich mehr Versündigungsmöglichkeiten für das weibliche Geschlecht aufgeführt als für Männer; hierunter auffallend viele, die die Zauberei und Sexualität betreffen.
Und weil Verführung in der Sexualität eine Rolle spielt, war der Teufel nicht weit. Mit dem Teufel im Bunde zu stehen und - schlimmer noch - sich nächtens mit ihm im Akt zu vereinen, war eine gängige Vorstellung, bei der das weibliche Geschlecht quasi in Generalverdacht geriet.


                                                Kirche und Teufel

 

Dies mag erklären, weshalb Hexenverfolgungen sich vielerorts überproportional gegen Frauen richteten. In erster Linie gegen Frauen niederen Standes, denen man mit Teufels Gunst eine Aufbesserung ihrer argen Lebensumstände andichtete. Wenn man den geistlichen Würdenträgern im Bekämpfen der Hexen schon nicht eine gewisse Befriedigung eigener latent vorhandener sadistischer Triebe unterstellen mag, so könnte man doch zumindest mutmaßen, im übergroßen Frauenanteil der Gepeinigten eine Projektionsfläche für verdrängte Allmachts- und Sexualfantasien der Kirchenväter zu sehen. 
 Als die Kirche begann, vermeintliche Hexen der Anbetung des Teufels (und damit eines direkten Angriffs gegen Gott) zu bezichtigen, war dies der Beginn zur totalen Konfrontation gemäß der kirchlichen Hexenlehre. Zwar kann man nicht von einer ausschließlichen Schuld der Kirche sprechen, aber sie leistete entscheidenden Vorschub, weil sie das Hexenthema in den Stand eines sittlich-moralischen Kampfes Gut gegen Böse erhob und diesen nicht anders aufzulösen vermochte als durch tatsächliche Gewalt mit Hilfe willfähriger Regierungen.

 der heilige augustinus und der Teufel

 

Der heilige Augustinus und der Teufel

 

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