Wertewandel

Aus heutiger Sicht mag uns der Blick zurück in die beginnende Neuzeit wie ein Blick in einen tiefen Abgrund vorkommen, wo letzte Überbleibsel von Sodom und Gomorra wüteten. Doch so finster war die Zeit des späten Mittelalters gar nicht. Ab dem 14. Jahrhundert wandelte sich das Frauenbild entscheidend. 

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Bis dahin galt die Frau im Hause dem Mann absolut untertan, auch in feudalen Gemeinschaften, wo Frauen nicht selten in den hintersten Trakt eines Gebäudes regelrecht weggesperrt wurden.

 Die Frau war sündig und eine stete Gefahr für Leib und Leben anderer. Im Beisein anderer Frauen wurde Geheimwissen ausgetauscht und sich womöglich auch fleischlicher Lust hingegeben; die Frau war dem Manne ein ewiges Mysterium. Sie herrschte über das Reich der Dunkelheit, der Fortpflanzung und des Todes. So weit die Theorie. Und zwar die der Kirche. Denn Quellen über solcherlei Ansichten entsprangen zu damaliger Zeit ausschliesslich dem Klerus.


Teufel und Hexenwahn Tod Teufel verfuehren Damen Domini canes Hunde des Herrn

 

Die Wirklichkeit war aber wohl damals schon eine etwas andere. In der feudalen Kultur bei Hofe (und damit bei einer der herrschenden Eliten) wurde Frauen große Wertschätzung entgegen gebracht. Die dort zelebrierte Minne galt als überhöhtes Ideal der aufrichtigen Beziehung zwischen Mann und Frau, aber auch der allgemeinen Achtung unter den Menschen.

 Wohlgleich war die Minne eher im künstlerischen, denn im tatsächlichen Leben offen zugegen. Seherinnen und Heilerinnen jedoch genossen das Ansehen ihrer Herren und waren weit davon entfernt, mit Hexen in Verbindung gebracht zu werden. Und nicht nur bei Hofe, auch in den Siedlungen eroberten Frauen nach und nach viele Freiheiten. Sie konnten ein Handwerk erlernen, nahmen intensiver am öffentlichen Leben teil und entdeckten eine bis dahin unbekannte neue Körperlichkeit voller Reize.


Goya Inquisitionsprozess

 1683 Autodafe Madrid Inquisition Tribunal Inquisition Caroja

 

Europa stand an der Schwelle zu einer neuen Epoche: der Renaissance. Staatsraison wurde zur Leitlinie der Politik, der Verstand zum Werkzeug kritischer Auseinandersetzungen und religiöser Erneuerung; christliche Werte und die Allmacht der Kirche wurden hinterfragt. Sinnenfreuden allenthalben hielten Einzug, die Mode der Frau wurde kecker, bunter, die Bäderkultur erwachte zu neuem Leben, aus der man sich auch geistige Frische erhoffte.
 

Die Erfindung des Ichs im späten Mittelalter war vielleicht der entscheidende Faktor für eine Verschiebung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Der Mensch war nicht länger nur bedingungsloser Teil einer Gemeinschaft und den Institutionen ausgeliefert, sondern ein Individuum, ein Konglomerat von Sehnsüchten, Wünschen und eigenem Willen. Die Erstarkung des Privaten beschnitt zugleich die Befugnisse des Adels und Klerus im häuslichen Bereich. Eine Welt, einst voller Rituale, begann zu zerbröckeln.

Papst und Inquisiteur  


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